Hausdurchsuchung (Durchsuchung) – Was ist zu tun?

Überraschend, belastend und beängstigend ist es, wenn morgens vor Tage die Ermittlungsbehörden vor dem Wohnhaus oder dem Firmensitz stehen. Was sie zu dieser Unzeit wollen, ist eigentlich stets das Gleiche: Sie wollen eine Hausdurchsuchung (§ 102 StPO) durchführen.

Wann findet eine Hausdurchsuchung statt?

Es müssen konkrete Tatsachen vorliegen, dass eine Straftat begangen wurde (BVerfG, Beschluss vom 26. Oktober 2011, Az.: 2 BvR 1774/10). Sie werden also in der Regel verdächtigt, eine Straftat begangen zu haben. Die Hausdurchsuchung dient der Ergreifung des Täters oder der Sicherung von Beweismitteln.

Wie sollen Sie sich dabei verhalten?

1. Bewahren Sie Ruhe

Nichts ist jetzt weniger hilfreich, als in Panik zu verfallen. Dann begeht man nicht nur häufig Fehler, nicht selten kommt es auch zu Kontrollverlusten. Diese können weitere Straftaten darstellen. Dann droht zu dem ganzen Ärger gegebenenfalls auch noch eine Festnahme (§ 164 StPO). Kooperieren Sie also mit den Beamten, wobei ein rein passives Verhalten ausreicht. Sofern während der Durchsuchung noch schnell Unterlagen oder andere Sachen „beiseite geschafft“ oder vernichtet werden, kann dies eine Untersuchungshaft wegen Verdunkelungsgefahr für Sie begründen.

2. Lassen Sie sich den Durchsuchungsbeschluss vorlegen

Daraus erfahren Sie bereits grob, welche Straftat Ihnen zur Last gelegt wird. Sie können aus dem Durchsuchungsbeschluss erkennen, wonach gesucht wird. Etwa bei Unterlagen können Sie diese den Beamten dann zeigen. Das kann die Durchsuchung erheblich verkürzen und auch dafür sorgen, dass nicht unnötig weitere Unterlagen mitgenommen werden, die die Ermittlungsbehörden nicht benötigen.

3. Schweigen Sie zu allen Vorwürfen

Sie haben als Beschuldigter immer das Recht zu schweigen. Machen Sie davon unbedingt Gebrauch. Mehr Informationen hierzu finden Sie hier. Lassen Sie sich auch keinesfalls in „nette Plaudereien“ mit den Beamten verwickeln, dies dient stets der Informationsgewinnung. Und geben Sie keine Passwörter für Handys, Computer, Festplatten usw. heraus. Hierzu sind Sie niemals verpflichtet, auch wenn Ihnen sicherlich von dem einen oder anderen Beamten etwas anderes erzählt wird oder er eine mildere Strafe in Aussicht stellt (auf die er keinerlei Einfluss hat!). Ob man Passwörter später (nach anwaltlicher Beratung) doch herausgibt, kann nachträglich und in Ruhe entschieden werden.

3. Kontaktieren Sie einen Strafverteidiger

Ein Anwalt kann Ihnen eine hilfreiche Stütze während der Hausdurchsuchung sein, damit Sie Ihre Rechte auch tatsächlich erkennen und wahrnehmen können. Sofern Sie daran gehindert werden sollten zu telefonieren, kann Ihnen eine Kontaktaufnahme zu einem Rechtsanwalt/Strafverteidiger niemals verboten werden. Auf dieses Recht können Sie stets (friedlich) beharren.

4. Kein Einverständnis zur Beschlagnahmung erklären

Sie werden während der Hausdurchsuchung gefragt, ob Sie der Beschlagnahme der Gegenstände zustimmen. Tun Sie das bitte nie! Zwar haben Sie keinen Einfluss darauf, ob die Sachen anschließend mitgenommen werden oder nicht. Jedoch bedeutet Ihr Einverständnis, dass eine Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Beschlagnahme (was durchaus positiv für Sie enden kann) im gerichtlichen Verfahren nicht mehr möglich ist.

Daneben sollten Sie auf keinen Fall das bereits vorangekreuzte Protokoll unterschreiben! Lesen Sie sich das gut durch und entscheiden sorgfältig, ob die ggf. bereits durch die Beamten gesetzten Ankreuzungen Ihrem Willen entsprechen.

Bestehen Sie auf die Versiegelung von Unterlagen, mindestens aber auf eine Protokollierung Ihres Anliegens. Daneben haben Sie bei Dokumenten auch den Anspruch darauf, sich Fotokopien anzufertigen bevor sie abtransportiert werden.

5. Kontaktieren Sie einen Strafverteidiger

Spätestens nach der erfolgten Hausdurchsuchung sollten Sie einen Strafverteidiger bzw. Rechtsanwalt für Strafrecht kontaktieren. Jetzt gilt es Akteneinsicht zu fordern und zu ergründen, was gegen Sie vorliegt sowie zunächst die Hausdurchsuchung rechtlich zu überprüfen. Es besteht auch grundsätzlich die Möglichkeit, zu Unrecht beschlagnahmte Gegenstände wieder heraus zu verlangen. Gerne steht Ihnen Rechtsanwalt Rokahr hierfür bereit. Nehmen Sie Kontakt auf.