Eine 2. Chance: Die Berufung im Strafrecht

Es kann dazu kommen, dass auch Richter sich einmal irren und einen Angeklagten entweder grundlos oder zu hart bestrafen. War dieser Richter am Amtsgericht tätig, können die Verurteilten sich freuen: Sie können Berufung einlegen und ein anderes Gericht (das Landgericht) damit dazu bringen, nochmals über den Fall vollumfänglich zu verhandeln und anschließend zu entscheiden.

 

Was ist eine Berufung im Strafrecht?

Gem. § 312 StPO ist gegen die Urteile des Strafrichters und des Schöffengerichts die Berufung zulässig. Das bedeutet, dass sofern in 1. Instanz ein Amtsgericht (Strafrichter oder Schöffengericht) das Urteil gesprochen hat, durch die Berufung das Urteil angegriffen werden kann.

Durch die Berufung wir die Rechtskraft des Urteils des Amtsgericht gehemmt, also muss die ausgeurteilte Strafe nicht befolgt werden.

 

Wann und wie lege ich Berufung ein?

Gem. § 314 Abs. 1 StPO muss die Berufung bei dem Gericht des ersten Rechtszuges binnen einer Woche nach Verkündung des Urteils zu Protokoll der Geschäftsstelle oder schriftlich eingelegt werden. Hierbei sollten Verurteilte aufpassen: Häufig wird diese Frist versäumt und damit das Urteil des Amtsgerichts in Strafsachen rechtskräftig, also nicht mehr mit der Berufung angreifbar. Die darin enthaltene Strafe ist dann abzuleisten.

Die Frist beginnt mit der Verkündung des Urteils des Strafrichters oder des Schöffengerichts, also regelmäßig am letzten Tag der Hauptverhandlung. Von da an kann nur binnen einer Woche Berufung eingelegt werden, also binnen dieser Woche beim Amtsgericht eingegangen sein.

Wird die Frist versäumt, ist nur unter engen Voraussetzungen eine Wiedereinsetzung in die Berufungsfrist möglich. Da die Berufung des Angeklagten jederzeit zurückgenommen werden kann, lohnt es sich in der Regel immer „vorsorglich“ Berufung einzulegen, wenn das erstinstanzliche Urteil nach Ansicht des Verurteilten fehlerhaft ist.

 

Kann es auch schlimmer werden, wenn das Landgericht über meinen Fall entscheidet?

Grundsätzlich gilt das sog. Verschlechterungsverbot gem. § 331 Abs. 1 StPO. Sofern nur der Angeklagte oder die Staatsanwaltschaft zu seinen Gunsten Berufung eingelegt hat, darf die zu treffende Entscheidung nicht schlechter ausfallen, als die Entscheidung in 1. Instanz.

Etwas anderes gilt nur, wenn die Staatsanwaltschaft zu Ungunsten des Angeklagten Berufung einlegt: Dann kann das Landgericht in der Berufungsinstanz auch ein anderes und damit auch für den Angeklagten schlechteres Urteil treffen. Darauf, ob die Staatsanwaltschaft Berufung zu seinen Ungunsten einlegt, hat der Angeklagte jedoch keinerlei Einfluss.

 

Sollte ich Berufung einlegen?

Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie entweder unschuldig bestraft oder zu hart bestraft worden sind, sollten Sie unbedingt Berufung einlegen. Alleine schon deshalb, weil Sie die Berufung auch jederzeit zurücknehmen können. Beachten Sie dabei auf jeden Fall die oben genannten Fristen zur Berufungseinlegung. Wird die Frist versäumt, ist das erstinstanzliche Urteil in der Regel unangreifbar.

Gerne steht Strafverteidiger Rokahr Ihnen hierzu zur Seite und berät Sie kurzfristig, ob in Ihrem Fall eine Berufung Aussicht auf Erfolg hat. Legen Sie vor der Kontaktaufnahme bestenfalls schonmal vorsorglich fristwahrend Berufung ein.

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